Tanja Van Poecke - Van den Hoecke, Fairebel-Milcherzeugerin in Laarne

26.02.2019

Solidarität unter den Erzeugern und faire Vergütung sind keine leeren Worte

Tanja Van Poecke-Van den Hoecke, eine junge Frau Anfang Dreißig, führt mit ihrem Mann Steven einen Familienbetrieb in Laarne in Ostflandern, knapp zwanzig Kilometer von Gent entfernt. Beide sind seit 2015 Mitglieder von Faircoop, der Genossenschaft hinter Fairebel-Milch. Eine Entscheidung, die sie mit dem gerechten Preis für den Landwirt und der Solidarität unter den Erzeugern in der Genossenschaft begründen.

Streng genommen stamme ich nicht aus einer Bauernfamilie, auch wenn meine Großeltern, wie damals viele Menschen, einen kleinen Bauernhof mit ein paar Hektar Land und einigen Tieren besaßen“, erläutert Tanja eingangs. „Ich lernte Steven, der aus einer Landwirtsfamilie kam, kennen, als ich 16 war. So wurde ich einige Jahre später selbst Landwirtin. Eine Entscheidung, die ich nie bereut habe“, fährt die Mutter von zwei kleinen Jungen von sieben und vier Jahren, die sich bereits sehr für den Bauernhof interessieren, lachend fort …

Leidenschaft als Motor

Tanja sieht ein, dass die Liebe zu den Tieren sie täglich motiviert. „Es macht mir Freude, jeden Morgen und jeden Abend von meinen Kühen umgeben zu sein, um sie zu melken und mich um sie zu kümmern.“ Das Paar melkt täglich etwa 110 bis 115 Holstein-Kühe. „Ein wahrer Rolls Royce unter den Milchkühen!“ scherzt Tanja. „Wenn man die Kälber mitzählt, umfasst unsere Herde etwa 200 Tiere“, berichtet sie. Neben der Viehwirtschaft bestellen die Van den Hoeckes auch rund siebzig Hektar Anbaufläche: natürlich Wiesen, aber auch Getreide und Mais. „Wir haben entschieden, uns auf diese Produkte zu konzentrieren, um sie als Futter für unser Vieh verwenden zu können. So sind wir weniger von externen Lieferanten abhängig.

Leider reicht heute, wie sie selbst betont, für viele Landwirte die Liebe zum Beruf nicht mehr aus, um ein angemessenes Einkommen zu sichern. So zwang die Krise, die die Milchbranche seit 2008 beutelt (und die noch nicht überwunden ist), sie, eine Nebentätigkeit außerhalb des Betriebs im Bereich der Kinderbetreuung anzunehmen. „Das war keine leichte Entscheidung“, gibt Tanja zu. „Aber sie war notwendig. Ich habe aber fest vor, eines Tages wieder zu 100 % mit meinem Mann den Betrieb zu führen.

Traditionelle Landwirtschaft im Familienrahmen

Tanja geht zwar nicht so weit, den Begriff „Ausbeutung“ zu verwenden, um die Beziehungen zwischen den Milcherzeugern einerseits und der Lebensmittelindustrie andererseits zu beschreiben, sie hält sie aber dennoch für äußerst unverhältnismäßig, zum Nachteil der Bauern. „Hinzu kamen die Produktionsüberschüsse auf europäischer Ebene, die die Preise unter unsere eigenen Kosten drückten … Da war es einfach nicht mehr möglich, weiterzumachen“, wettert sie. „Etwas musste sich ändern. Dann hörten wir von Faircoop. “

Tanja und Steven wurden 2015 Mitglieder von Faircoop. „Es war eine echte Überzeugungsentscheidung“, betont die Landwirtin. „Wir trafen Vertreter der Genossenschaft und waren begeistert von den Werten, die sie vermitteln. Solidarität zwischen Genossenschaftsmitgliedern, gerechte Vergütung für den Erzeuger und die Förderung von Familienbetrieben sind Punkte, die mich besonders berühren. Und bei Faircoop sind das keine leeren Worte, sondern wirklich Rückgrat und Herz der Arbeit.

Wir waren von ihrem Plan, die Erzeuger wieder zu stärken und ihnen einen korrekten Preis zu zahlen, sofort überzeugt“, fügt Tanja hinzu. „Das ist für die genossenschaftlich organisierten Landwirte eine Möglichkeit, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. Wir beschlossen daher, uns voll in die Genossenschaft einzubringen und Aufgaben zu übernehmen.

Der Erzeuger ist selbst sein bester Botschafter

Seitdem verbringen Tanja und Steven einige Tage im Jahr damit, für die von der Genossenschaft vertriebenen Produkte (Milch, Speiseeis, Butter, Käse) der Marke Fairebel zu werben. „Etwa einmal im Monat führen wir, zum Beispiel in großen Geschäften oder auf Märkten, Verkostungen durch. Wer könnte schließlich ein besserer Botschafter für seine Produkte sein als der Landwirt selbst? „Mir fällt das leichter als meinem Mann“, bemerkt Tanja lächelnd. „Ich bin an diese Art des direkten Kontakts mit dem Bürger und Verbraucher mehr gewöhnt als er. Ich habe sogar schon überlegt, irgendwann selbst einen Hofladen zu eröffnen.

Tanja berichtet, dass sie von den Reaktionen der Menschen, die sie trifft, sehr positiv überrascht ist. „Ich glaube, die meisten Verbraucher wünschen sich heute eine Art „back to basics“, etwas, das wir ihnen über Fairebel bieten können. Uns bietet das auch Gelegenheit, über unseren Ansatz zu berichten, zu erklären, dass, dank der Produkte von Fairebel, unsere Milch zu einem fairen Preis verkauft wird und dass ein Teil dessen, was der Verbraucher zahlt, jedes Jahr über die Dividenden der Genossenschaft an uns zurückfließt.

Solidarität bildet also einen roten Faden in Tanja Van Poeckes Leben. „Bei mir dreht sich alles um Solidarität. Das gilt natürlich sowohl für mein Engagement bei Fairebel als auch für meine externe Tätigkeit in einer sozialen, gemeinnützigen Vereinigung. Ein Projekt, das mir besonders am Herzen liegt, möchte ich unbedingt noch erwähnen: Wir begrüßen in unserem Betrieb mehrere Male im Jahr Gruppen von Menschen mit Behinderung. Es ist immer ein sehr schöner Moment, wenn man ihr Lächeln beim Kontakt mit den Tieren sieht.